»Huber ist einer, der

in Möglichkeiten denkt,

nicht in Problemen.«


Süddeutsche Zeitung

Freiheit von der Beschneidung – Freiheit zur Beschneidung

Christen sollten sich für das Recht von Juden und Muslimen einsetzen, die Beschneidung zu vollziehen, auch wenn dieser Ritus für den christlichen Glauben keine konstitutive Bedeutung mehr hat.

Das sagte Wolfgang Huber in seiner Predigt auf der Wartburg zum Reformationstag, dem 31. Oktober 2012. Huber nahm Bezug auf einen Abschnitt im Galaterbrief des Paulus, in dem die Freiheit der Christen von der Beschneidung thematisiert wird. Er führte unter anderem aus:

„Die Freiheit eines Christenmenschen, die Martin Luther vor fünfhundert Jahren in Wittenberg und auf der Wartburg neu entdeckte, ist nicht eine selbst erworbene, sondern eine geschenkte Freiheit. Deshalb schließt sie die Freiheit von der Beschneidung ein. Doch zur Freiheit eines Christenmenschen gehört der Dienst an der Freiheit des Nächsten. Die Beschneidung hat für den christlichen Glauben keine konstitutive Bedeutung mehr. Aber der christliche Glaube tritt für das Recht von Juden und Muslimen ein, die Beschneidung zu vollziehen.

Ob und inwieweit Juden und Muslime in der Beschneidung ein verpflichtendes Gebot sehen, haben sie selbst zu entscheiden. Wenn sie in ihr einen wichtigen Akt des Glaubens sehen, verdient das unseren Respekt. Natürlich müssen Gesundheit und körperliche Integrität der Kinder geachtet und die Regeln der ärztlichen Kunst befolgt werden. Aber wer an diese Forderung erinnert, sollte zugleich das Recht auf Religionsfreiheit und das elterliche Erziehungsrecht in Erinnerung behalten. Deshalb widerspricht es sich nicht, wenn wir uns als Christen an die Freiheit von der Beschneidung erinnern und doch für die Freiheit zur Beschneidung eintreten, die wir für Juden und Muslime in unserem Land bewahren wollen.

Die Beschneidungsdebatte des Jahres 2012 hat zwei Themen zugleich: Die Achtung des Kindeswohls und der körperlichen Unversehrtheit von Kindern ist nur das eine dieser beiden Themen.  Das andere ist von gleichem Gewicht: die Bedeutung der Religionsfreiheit für das persönliche Leben wie für den öffentlichen Raum. Viele reden in diesem Jahr 2012 allerdings so, als verstünden sie gar nicht mehr, wovon die Rede ist. Sie verstehen unter Religionsfreiheit allenfalls noch die Freiheit von der Religion, ihre Verbannung in einen Winkel, in dem sie niemanden stört. Viele nehmen Religion allenfalls noch in bedrückenden Zerrformen wahr: als Missbrauch von Jugendlichen, als Anstiftung zu fanatischer Gewalt, als Verbreitung abergläubischer Vorstellungen. Die Zerrformen für die Sache selbst zu nehmen, gilt als wirksames Mittel, den Glauben an den Rand zu drängen und Religion wirkungslos zu machen.

Dem begegnet man nicht, indem man vergangene Leistungen beschwört und die gute alte Zeit hochleben lässt. Man begegnet ihm nur, wenn der Glaube heute überzeugend gelebt und in die Zukunft getragen wird. Auch wenn wir auf der Wartburg den Reformationstag feiern, geschieht das nicht, weil die Reformation ins Museum gehört. Es geschieht, weil weiterwirkt, was hier begonnen hat.“

Die vollständige Predigt finden Sie hier.

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