Der Kommunismus ist…

... ... eine gute Idee für das persönliche Verhalten, aber keine gute Idee für Wirtschaft und Politik. Wolfgang Huber beantwortet den Fragebogen der Wochenzeitung der Freitag.

Was mögen Sie an Angela Merkel?

Sie kann enorm gut zuhören.

Welches Buch haben Sie zuletzt nicht zu Ende gelesen?

Yuval Noah Harari, Eine kurze Geschichte der Menschheit.

Welchen linken Politiker, welche linke Politikerin bewundern Sie?

Würden Sie gerne öfter Fahrrad fahren?

Ja, aber in Berlin ist es viel zu gefährlich.

Welches Auto gefällt Ihnen am besten?

Dieses Auto ist leider noch nicht erfunden: CO2-neutral, sicher, unaufwendig.

Wann sind Sie zuletzt U-Bahn gefahren?

Vor drei Wochen; normalerweise fahre ich S-Bahn.

Darf man in Ihrem Schlafzimmer rauchen?

Seit ich nicht mehr rauche, kommt das überhaupt nicht in Frage.

Wie viele Apps sind auf Ihrem Smartphone?

Zwölf.

Und welche benutzen Sie am meisten?

DB, Karten, Wetter.

StudentInnen oder Studierende?

Wenn man geschlechtergerecht sein kann, ohne dafür zwei Wörter, ein * oder ein Binnen-I zu brauchen, ziehe ich das vor.

Haben Sie ein Zeitungsabo?

Mehrere; Schleichwerbung lehne ich ab.

Töten Sie Insekten?

Stechmücken, bevor sie meine Frau stechen.

Ihr Lieblingsvogel?

Reiher. Besonders gern sehe ich sie fliegen, während ich schwimme.

Wenn Sie eine Zeitmaschine hätten, in welches Jahrhundert würden Sie reisen?

Ins 21., um an so viele Orte reisen zu können.

Offene Grenzen sind …?

... ein kostbares Gut, das man schützen muss (notfalls auch dadurch, dass man Grenzen schützt).

Ist die Lüge ein legitimes Mittel in der Politik?

Nein, sie ist allenfalls eine Ultima Ratio, ähnlich wie die Gewalt.

Sollte man Gehälter öffentlich machen?

Warum denn nur Gehälter und nicht Einkommen, Vermögen, Dividenden? Wenn schon den Geiz füttern, dann gründlich.

Wo haben Sie zuletzt Urlaub gemacht?

In Brandenburg.

Der Kommunismus ist …?

... eine gute Idee für das persönliche Verhalten, aber keine gute Idee für Wirtschaft und Politik.

Haben Sie geweint, als die Berliner Mauer fiel?

Ich habe es verschlafen, weil ich am nächsten Morgen früh aufstehen musste, um nach Berlin zu fliegen. In der Nacht darauf habe ich kein Auge zugemacht und viel gelacht, aber nicht geweint.

Welche Verschwörungstheorie halten Sie für wahr?

Keine, denn dann wäre es eine Verschwörung.

Gehen Sie zu sorglos mit Ihren Daten im Netz um?

Das tun alle, die Daten ins Netz stellen, ich auch.

Kaufen Sie bei Amazon?

Wenn ich mich richtig erinnere, noch nie ein Buch.

Sollte der Kapitalismus überwunden werden?

Ja, durch eine soziale, nachhaltige, international gerechte Marktwirtschaft.

Welche Ausstellung haben Sie zuletzt besucht?

Emil Nolde – im Hamburger Bahnhof.

Ihr Lieblingsmaler?

Gerhard Richter – wegen der Kerze. Fragen Sie eigentlich auch nach Frauen? Käthe Kollwitz – vor allem wegen eines ihrer Selbstporträts.

Waren Sie schon mal auf einer Demonstration?

Vor allem für Toleranz und Frieden, gegen Wettrüsten und Antisemitismus.

Haben Sie Aktien?

Ja, mit einem Nachhaltigkeits- und Ethikfilter.

Was schätzen Sie an der chinesischen Kultur?

Die Schrift.

Welchen Rat würden Sie den kommenden SPD-Parteivorsitzenden geben?

Eine Sozialdemokratie entwickeln, die für das 21. Jahrhundert taugt.

Haben Sie schon einmal einen Abend mit einem Flüchtling verbracht?

Ja, mit mehreren – ernst und fröhlich zugleich.

Sind einige Ihrer besten Freunde Muslime?

Noch nicht.

Kaufen Sie im Bio-Laden?

Nein, ich entscheide lieber selber, was vernünftig ist.

Wo ist Ihr Zuhause?

Bei meiner Familie und an vielen Orten.

Wie möchten Sie sterben?

So zu tun, als könnte ich mir das aussuchen, finde ich anmaßend. Ich hoffe auf menschlichen Beistand und göttliche Gnade.

Der Freitag vom 12.09.2019, Ausgabe 37, Seite 20